ver.di und GEW rufen Hilfskräfte zum Streik auf!

Seit Anfang des Jahres laufen die regelmäßigen Verhandlungen zu den Tarifverträgen TV-L und TV-H für die Angestellten auf Landesebene auf Hochtouren. Dabei verhandeln die meisten Bundesländer gemeinsam über die Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Die Verhandlungen des TV-L sind abgeschlossen und eine Tarifeinigung wurde erzielt.

Hessen ist aus dieser Tarifgemeinschaft ausgetreten und verhandelt deshalb alleine den TV-H. Der Tarifvertrag TV-H regelt die Arbeitsbedingungen für die meisten Angestellten auf Landesebene und damit auch vieler Uni-Beschäftigten, aber eben nicht allen – vor allem nicht von akademischen Hilfskräften. Obwohl wir mit 1280 studentischen und 107 wissenschaftlichen Hilfskräften eine der größten Beschäftigungsgruppen der Philipps-Universität Marburg darstellen! Die meisten davon, nämlich 219 studentische Hilfskräfte, arbeiten in zentralen Einrichtungen und in der universitären Verwaltung – d.h. vor allem in der Universitätsbibliothek und dem Hochschulrechenzentrum (Stand Juli 2018). Vom Fachberich Jura (FB01) bis zu den Erzeihungswissenschaften (FB21) leisten Hilfskräfte wichtige Arbeit in der Unterstütztung von Forschung und Lehre. Vom Personalrat der Uni sind Hilfskräfte aber qua Gesetz ausgeschlossen!

Im aktuellen Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung steht: „Die Arbeit studentischer Hilfskräfte ist ein unerlässlicher Bestandteil zur Sicherstellung des Hochschulbetriebs. Da wir diese wichtige Arbeit wertschätzen, […] werden wir im Dialog mit den Hochschulen […] einen Weg erarbeiten, die Arbeitsverhältnisse von studentischen Hilfskräften ähnlich zu Tarifverträgen im Bereich Krankheit, Urlaub und Vergütung zu regeln.“ Trotzdem hat Innenminister Beuth während der Verhandlungen klar gemacht, dass für ihn Hilfskraftstellen nicht der Sicherung des Auskommens, sondern der Bildung der Persönlichkeit dienten (siehe GEW Tarifinfo für Hilfskräfte an Hochschulen; Februar 2019).

Unsere Stellen werden nicht als Arbeitnehmer*innenverhältnisse verstanden, sondern nur als billige Aushilfskraft. Dabei sind Minimalstandards wie Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall keine Selbstverständlichkeit. Unsere Löhne reichen meist nicht zur Finanzierung unseres Lebensunterhaltes und Erhöhungen sind vom Wohlwollen des Hochschulpräsidiums abhängig. An der Uni Marburg regelt aktuell der Hilfskräfteleitfaden die Rahmenbedingen für Beschäftigungsverhältnis als wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte, den die Hilfskraftinitiative mitkonzipiert und miterstritten hat! Die Arbeit von uns Hilfskräften ist häufig unsichtbar, deshalb werden wir oft gar nicht als Teil des regulären universitären Personals wahrgenommen. Im Haushalt der Uni werden wir als Sachmittel aufgeführt. Sachmittel, also genauso wie Kopierpapier, Kugelschreiber oder Büroklammern! Aber seien wir mal ehrlich: ohne uns Hilfskräfte läuft an der Uni nichts – Who runs this Uni? Wir Hilfskräfte schmeißen den Laden!

Deshalb fordern wir die Aufnahme von studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften in den Tarifvertrag!
Die Gewerkschaften ver.di und GEW stimmen uns da zu und bringen die Forderung sogar in die aktuellen Tarifverfhandlungen ein (siehe die aktuellen Tarifvorderungen von ver.di und GEW)!

Die Laufzeit des TV-H ist mit Kündigung des Tarifvertrags am 31. Dezember 2018 ausgelaufen. Seit Januar 2019 besteht also keine Friedenspflicht mehr! Ende März ist die nächste Verhandlungsrunde! Wollen Hilfskräfte wirklich nur stillsitzen und abwarten, was passiert? Haltet nächste Woche die Augen offen…

Zum gemeinsamen Warnstreik mit unseren Kolleg*innen sind am 26.03.2019 auch alle Hilfskräfte an hessischen Hochschulen aufgerufen! Legen wir zusammen die Arbeit nieder und bringen unsere Forderung auf die Straße!

Das Streikcafé im KFZ (Biegenstraße 13, 35037 Marburg) öffnet um 8 Uhr. Also kommt morgens gleich vorbei und tragt euch in die Streiklisten ein! Gewerkschaftsmitglieder haben auch Anspruch auf Streikgeld.

Die Demo geht um 10:30 Uhr am Hauptbahnhof los und wir laufen gemeinsam mit unseren Mitstreikenden zum Erwin-Piscator-Haus. Lauft mit und seid laut unter dem Banner der Hilfskraftinitiative, damit alle sehen wie viele wir sind und dass Hilfskräfte nicht nur als schäbige Sachmittel abgestempelt werden dürfen! #AufstandDerSachmittel

Wie immer könnt ihr euch an uns, Luisa Zingel, Jennifer Shah, Nadine Schmidt und Aygün Habibova aus der Hilfskraftinitiative wenden. Wir stehen euch mit Rat und Tat zur Seite! Schreibt uns gerne eine E-Mail an: hilfskraftinitiave@asta-marburg.de

Falls wir mal nicht weiter wissen, verweisen wir euch gerne an unsere Gewerkschaftskolleg*innen und unterstützen euch in Belangen rund um den Hilfskraftsjob. Antworten auf Fragen zum Thema Streik, findet ihr in unserem kurzen „How to Streik“-Infoblatt oder im Hilfskräfte F.A.Q. unter „Streik“.

Bei konkreten Fragen wendet euch bitte an eure jeweiligen Gewerkschaftsvertreter*innen:
GEW-Mitglieder können sich an den Ansprechpartner des Fachgruppe Jugendbildung, Hochschule und Forschung in Hessen wenden: Felix Hauf
Tel.: 069–971293–0
E-Mail: wissenschaft@gew-hessen.de

ver.di-Mitglieder, wendet euch an euren Ansprechpartner des Fachbreichs 05 für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Gewerkschaftssekretär Peter Wadakur
Tel.: 0641 /93 234 -35
E-Mail: peter.wadakur@verdi.de

Who runs this Uni? Hier unser Flyer (PDF) dazu!