Stellungnahme der Hilfskraftinitiative Marburg zum Flashmob der Identitären Bewegung an der Philosophischen Fakultät Marburg am 29.06.2018

Am Freitag, den 29.06.2018 veranstaltete die Identitäre Bewegung einen Flashmob vor der Philosophischen Fakultät. Dabei wurde das Gelände als eine „ideologisch kontaminierte Zone“ bezeichnet. Einige Tage vor der Aktion tauchten rassistische Schriftzüge und Sticker in diversen Uni-Gebäuden auf, die vor freiwilligen Aktivist*innen beseitigt wurden bzw. überklebt wurden. Darunter auch Aufkleber der sogenannten #120db-Kampagne, die geflüchtete Männer als Gefahr für weiße Frauen inszeniert.

Die Philosophische Fakultät ist für viele Mitglieder der Philipps-Universität Marburg ein Ort, an dem wir lehren, lernen und gemeinsam Forschung betreiben. Sie ist aber auch ein Ort, an dem Hilfskräfte tagtäglich arbeiten und forschen und gilt als Repräsentantin der linken Tradition der kritischen Gesellschaftswissenschaften in Marburg.

Wir sehen die Aktion als einen Angriff auf aktuelle Forschungsprojekte, die in Instituten und Einrichtungen in der Philosophischen Fakultät angesiedelt sind, und sich mit Inhalten und Akteur*innen der Identitären Bewegung befassen. Der Angriff durch die Identitäre Bewegung macht diesen Ort zu einem unsicheren Ort, wodurch er seine Basisfunktion verliert. Unter Angst kann und sollte kritische Forschung und Wissenschaft nicht betrieben werden.

Wir waren erschrocken und entsetzt über die Vorfälle, die sich ereignet hatten. Kritische Gewerkschaftsarbeit steht in einer antifaschistischen Tradition. Die Hilfskraftinitiative schließt sich dieser Tradition an und arbeitet daran, diese fortzusetzen. Wir stellen uns gegen Rassismus und rufen dazu auf, keinen Platz für solche Aktionen zuzulassen!

Am 03.07. kam es bereits zu einer breiten Gegenaktion von Student*innen und Mitarbeiter*innen der Universität gegen die Aktion, an der ca. 100 Menschen teilgenommen haben. Das Gender Zentrum sowie der Fachbereich 03 – Gesellschaftswissenschaften und Philosophie haben zudem kurze Erklärungen abgegeben und die Propagandaaktion der Identitätren Bewegung bereits ausdrücklich verurteilt. Der AStA Marburg und das Gender Zentrum haben Aufkleber produziert, die zum Überkleben der Schmierereien verwendet werden können. Doch dies sich lediglich die ersten Schritte.

Wir wollen eine solche Art von Einschüchterung nicht mehr sehen und rufen daher den AStA, das StuPa und die Fachschaftenkonferenz dazu auf, unsere Stellungnahme zu unterzeichnen und gemeinsam daran zu arbeiten, über die Kampagnen der Identitären Bewegung sowie ihre Strategien der Vereinnahmung aufzuklären!

Wir rufen auch das Präsidium der Philipps-Universität Marburg dazu auf, sich ebenfalls eindeutig gegen die Identitäre Bewegung und ihre Aktionen zu positionieren und Maßnahmen einzuleiten, um gegen die Identitäre Bewegung und die Sicherheit und einen angstfreien Alltag für ALLE Mitglieder der Universität zu gewährleisten!