Auf dem richtigen Weg?

Seit dem 01. Januar 2018 erhalten alle Hilfskräfte an der Philipps-Universität Marburg mehr Geld! Dies nehmen wir zum Anlass uns anzuschauen, wie sich die Vergütung von studentischen Beschäftigten in Marburg seit 1993 entwickelt hat und welche Folgen das mit sich bringt.
Zunächst stagnierte die Vergütung über 15 Jahre lang auf dem Niveau von 1993, was 8,02€ für studentische Hilfskräfte ohne Abschluss bedeutete. Erst zum Wintersemester 2008/09 wurde die Vergütung auf das Niveau des Mindestlohns angehoben. Studentische Hilfskräfte ohne Abschluss erhielten nun nicht mehr 8.02€, sondern 8,50€. Im Rahmen der Einführung des Hilfskräfte Leitfadens, an dem die Hilfskraftinitiative auch beiteiligt war, wurde eine gestufte Vergütung geschaffen, die zumindest für einige Gruppen eine bessere Bezahlung nach sich zog. Die Vergütung von studentischen Hilfskräften „mit Abschluss“ stieg zu diesem Zeitpunkt auf 10,00€, die von wissenschaftlichen Hilfskräften auf 13,50€.
Nach diesem ersten Erfolg dauerte es weitere 8 Jahre, bis es zu einer weiteren Erhöhung der Vergütung kam. Im Jahr 2015 diskutierte der Senat  einen Antrag der Hilfskraftinitiative, der von der gewerkschaftlichen Senatsliste  GEW/ver.di des Mittelbaus [https://www.uni-marburg.de/personal-listen/gew-verdi] und des AStA Marburg sowie der studentischen Senator*innen unterstützt wurde. Der Senatsantrag enthielt die folgenden Forderungen:
    
1. Anhebung der Vergütung der Hilfskräfte an der Philipps Universität. Diese Anhebung muss mindestens dem Ergebnis der Tarifverhandlungen zum Tarifvertrag Hessen entsprechen. Soweit möglich soll die Erhöhung die Reallohnlücke seit der letzten Erhöhung auffangen.
2. Die Vergütung der Hilfskräfte soll zukünftig in Hessen einheitlich geregelt werden. In Abstimmung mit den anderen Universitätsleitungen soll die Vergütung (auf das aktuelle evtl. angehobene Maximum) angeglichen werden.
3. Die Präsidien handeln mittelfristig mit der Landesregierung einen Modus für die Erhöhung der Vergütung aus, nach dem die studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte, solange diese nicht von einem Tarifvertrag erfasst werden, eine automatische Erhöhung der Vergütung in der Höhe des jeweiligen Tarifergebnisses des TV-H + 5% bekommen. Diese Erhöhung muss durch Mittelzuweisungen durch die Landesregierung aufgefangen werden.
Nach langer und schwieriger Diskussion stimmte der Senat diesem Antrag in der Sitzung am 25.03.2015 zu. Der Beschluss hat für studentisch Beschäftigte zur Folge, dass Lohnerhöhungen nicht mehr nur nach der Willkür des Präsidiums, sondern regelmäßig erfolgen. Zum ersten Januar 2016 stiegen die Vergütungen damit jeweils um 0,50€ (auf 9,00€/10,50€/14,00€).
Mit diesem Senatsbeschluss kann sichergestellt werden, dass die Reallöhne durch Inflation nicht jahrelang sinken, wie dies von 1993-2008 und von 2008-2016 der Fall war. Das ist auch der Grund dafür, dass die Vergütung zum 01. Januar 2018 wieder gestiegen ist. Den Verlauf könnt Ihr hier unten anschauen:  
Allerdings wurde im Zuge der aktuellen Lohnerhöhung gleichzeitig die „Sonderzahlung Hilfskräfte“ zum 01.01.2018 ersatzlos gestrichen. Dies hat die Uni in ihrer Pressemitteilung mit keinem Wort erwähnt: https://www.uni-marburg.de/de/aktuelles/news/mehr-geld-fuer-die-hilfskraefte-an-der-uni-marburg. Der im Entgeltgeldnachweis unter „Sonderzahlung Hilfskräfte“ verezeichnete Posten stellte die monatliche Pauschale in Höhe von 5% des Bruttobezugs als Ausgleich für ein Weihnachtsgeld dar und wurde zusammen mit dem monatlichen Lohn überwiesen. Damit ist das tatsächlich erhaltene Geld für die meisten Hilfskräfte zum 01.01.2018 nur minimal gestiegen. 
Bei einem Standard SHK-Vertrag von 30 Stunden im Monat ist damit auch die Gefahr nicht gegeben, mit dem erhöhten Lohn die Grenze von 450 € für geringfügig Beschäftigte zu überschreiten. Denn solange der Beschäftigungsumfang bei einer SHK mit einem Stundensatz von 10,00 € monatlich 45 Stunden (beim Stundensatz von 11,50 € sind es 39 Monatsstunden) nicht übersteigt, fällt die Beschäftigung in der Regel unter die Mini-Job-Regelungen.
Doch es geht nicht nur darum, mehr Geld zu erhalten. Eine regelmäßige Erhöhung der Löhne könnte der erste Schritt sein, der Rolle von studentischen Beschäftigten mehr Wertschätzung zu verleihen. Schon mit dem Begriff „Hilfskraft“ geht einher, dass studentische Beschäftigte lediglich „Aushilfsjobs“ verrichten, die kaum einer Beachtung wert sind. Dabei ist es aber häufig gerade die Arbeit eben dieser Hiflskräfte, die die Universität täglich am Laufen hält. Ganz zu schweigen davon, dass Hilfskräfte im Haushalt der Uni immernoch unter „Sachmittel“ verezichnet werden. Das hessische Personalvertretungsgesetz schließt Studierende sogar explizit aus dem Personalrat aus. Gerade deshalb sind regelmäßige Lohnerhöhungen – wenn auch nicht im Rahmen von Tarifverhandlungen – aber zumindest über Senatsanträge, sehr wichtig. 
Die Vergütung von Hilfskräften ist in Hessen jedoch immer noch unispezifisch geregelt. Aus diesem Grund sieht die Lohnentwicklung anderer Hilfskräfte auch nicht so aus wie in Marburg. Dies widerspricht dem Grundsatz: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“ Daher ist es wichtig, sich mit anderen Hilfskräften zu solidarisieren und ihren Arbeitskampf zu unterstützen. Denn das Beispiel „TV Stud“ in Berlin zeigt: Selbst bei einem Tarifvertrag für studentisch Beschäftigte, wie er in Berlin schon seit 1986 besteht, ist noch längst nicht alles gewonnen. Deshalb stehen wir hinter den studentischen Beschäftigten in Berlin, die gerade für eine Erhöhung des Vergütungssatzes streiken und untersützen ihre Forderungen nach Erhöhung des Stundenlohns auf 14 Euro und der dynamischen Anpassung des Lohns an die Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst!