Hilfskräfte in Zahlen

Am 12.05.2016 hat die Landesregierung die kleine Anfrage der Linkspartei zu den Hilfskräften beantwortet1. Alle hessischen Hoschulen haben Daten zu ihren Hilfskräften rausgegeben. Wie wir finden recht interessante Daten.

Situation in Marburg

Wenn wir uns die Antwort der Philipps-Universität anschauen, fallen uns mehrere Fakten schon beim Überfliegen der Antwort auf. Es zeigt sich vor allem, dass die Philipps-Universität hinter ihren selbst gesteckten Zielen zurück bleibt.

Beschäftigungsumfang

Bei den Studentischen Hilfskräften haben wir 2015 einen klaren Schwerpunkt bei Verträgen unter 41 Stunden Wochenarbeitszeit. 31,5% der SHKs haben einen Vertragsumfang von unter 20 Stunden. Das ist insofern seltsam, als dass der Hilfkräfteleitfaden zum Beschäftigungsumfang ziemlich eindeutig ist:

„Der monatliche Beschäftigungsumfang soll bei studentischen Hilfskräften 30 Stunden nicht unterschreiten“ (Leitfaden 2015: S. 4)

Klar, es ist eine ’soll‘-Regelung, wenn aber über 31% der studentischen Hilfskräfte unter dem Mindestbeschäftigungsumfang liegen, ist das kein kleiner Ausrutscher. Das bedeutet, dass 479 Hilfskräfte auf einen Brutto-Lohn von maximal 210€ im Monat kommen.

Ähnlich sieht es bei den wissenschaftlichen Hilfskräften aus: 29,3% liegen bei einem Beschäftigungsumfang von unter 61 Stunden, obwohl der Leitfaden von 82 Studen im Regelfall ausgeht. Es sind also 51 Hilfskräfte, die einen Bruttolohn unter 810€ bekommen.

Vertragsdauer

Sowohl die alte als auch die neue Fassung des Hilfskräfteleitfadens sieht eine minimale Beschäftigungsdauer von sechs Monaten vor.
Für Hilfskräfte ist es genauso wichtig wie für alle anderen Beschäftigten, Planungssicherheit zu haben. Sich von Semester zu Semester mit Vertragsverlängerungen durchzuschlagen läuft diesem entgegen. Für Daueraufgaben braucht es Dauerstellen. Die 6-Monatsverträge sind für Hilfskräfte, die solche Daueraufgaben betreuen, auch immer ein Damoklesschwert: „Wird meine Stelle im nächsten Semester noch verlängert? Oder werde ich ersetzt?“

Im neuen und alten Hilfskräfteleitfaden heißt es zur Mindestvertragslaufzeit: „Als Beschäftigungsdauer soll bei studentischen Hilfskräften eine Mindestvertragslaufzeit von sechs Monaten und bei wissenschaftlichen Hilfskräften von zwölf Monaten angestrebt werden.“ Der Antwort der Landesregierung zufolge sind 38,4% bis zu 3 Monate und 38,6% sind zwischen 3 bis 6 Monaten angestellt.
Demnach unterschreiten 77% der Verträge die angestrebte Mindestdauer oder erfüllen gerade einmal dieses Minimum von 6 Monaten.

Arbeitszeiten

Beim monatlichen Beschäftigungsumfang sieht es ähnlich aus wie bei den Vertragslaufzeiten. Im Leitfaden heit es dazu:

„Der monatliche Beschäftigungsumfang soll bei studentischen Hilfskräften 30 Stunden nicht unterschreiten und beträgt bei wissenschaftlichen Hilfskräften im Regelfall 82 Stunden.“ (Leitfaden 2015: S. 4)

Bei den Studentischen Hilfskräften zeigt sich für 2015, dass 31,5% einen Vertrag mit bis zu 20 Stunden haben, also fast ein Drittel der studentischen Hilfskräfte unter dem nicht zu unterschreitendem Beschäftigungsumfang liegen.

Minimal besser scheint es bei den wissenschaftlichen Hilfskräften auszusehen. Hier liegen mindestens 29,3% unter dem Regelfall von 82 Stunden pro Monat.

Geschlechterverhältniss2

Von insgesamt 1531 studentischen Hilfskräften im Jahr 2015 waren 879 weiblich und 652 männlich. Das entspricht einen Anteil von 43% männlichen studentischen Hilfskräften. An der Philipps-Universität Marburg waren im WS 2015/2016 44% der Studierenden männlich3. Damit liegt die Geschlechterverteilung in dem zu Erwarten.

Die Antworten der Philipps-Universität zeigt uns aber nicht viel mehr als einen groben Überblick. Detailfragen lassen diese Daten offen. Es wird weder deutlich, ob es in bestimmten Fachrichtungen möglicherweise einen Gender-Bias gibt oder es einen Bias in Bezug auf Tätigkeiten, Beschäftigungsumfang oder Vertragslaufzeiten gibt.

Anfrage im Senat

In der letzten Senatssitzung haben wir beim Präsidium und Kanzler Nonne Details noch einmal nachgefragt. Wenn wir die Antworten wie zugesichert schriftlich bekommen, werden wir sie hier veröffentlichen.

Fragen an das Präsidium und den Kanzler:

  1. In Frage 4 wird nach der Anzahl der Ausschreibungen nach Finanzierungsart gefragt und eine Beantwortung verweigert, da die Hochschulen diese Zaheln nicht erfassen würden. Im neuen Hilfskräfteleitfaden wird festgelegt, dass grundsätzlich alle Hilfskraftstellen ausgeschrieben werden. Wie stellt die Uni Marburg sicher, dass diese neue Vorschrift (seit Januar 2015) tatsächlich für alle Stellen angewendet wird?

  2. Im neuen und alten Hilfskräfteleitfaden heißt es zur Mindestvertragslaufzeit: „Als Beschäftigungsdauer soll bei studentischen Hilfskräften eine Mindestvertragslaufzeit von sechs Monaten und bei wissenschaftlichen Hilfskräften von zwölf Monaten angestrebt werden.“ In Frage 5 der Anfrage werden die Befristungsdauern nach Monaten aufgeschlüsselt angegeben. Demnach bekommen aber 77% der studentischen Hilfskräfte einen Arbeitsvertrag bis zu 6 Monaten, davon sogar 38,4% unter 3 Monaten. Von den wissenschaftliche Hilfskräfte bekommen ebenfalls 77% einen Vertrag bis zu 12 Monaten. Wie erklären Sie sich diese starken Abweichungen?

  3. Die Antwort auf Frage 6 hat uns im Bezug auf die Wochenendarbeit sehr erstaunt. Schließlich wird ein Großteil des Wochenendbetriebs der zentralen Unibibliothek sowie Wochenendkurse in der MARA, dem International Office oder dem Hochschuldidaktischen Netzwerk von Hilfskräften geleistet. In diesem Zusammenhang stellt sich uns ebenfalls die Frage, auf welcher Grundlage die Beschäftigung an Wochenenden erfolgt und welche Ausgleichsregelungen bestehen?

  4. Der Hilfskräfteleitfaden sieht bzgl. der monatlichen Stundenzahlen vor: „Der monatliche Beschäftigungsumfang soll bei studentischen Hilfskräften 30 Stunden nicht unterschreiten und beträgt bei wissenschaftlichen Hilfskräften im Regelfall 82 Stunden.“ In der Anfrage wird angegeben, dass in den letzten 5 Jahren etwa 30% der studentischen Hilfskräfte weniger als 20 Stunden im Monat arbeiten. Wie erklären Sie sich diese hohe Zahl? Etwa 50% der SHKs arbeiteten zwischen 21 und 40 Stunden im Monat. Wie viele Hilfskraftstellen hatten in den letzten 5 Jahren eine monatliche Stundenzahl von weniger als 30 Stunden?


  1. http://starweb.hessen.de/cache/DRS/19/7/03257.pdf

  2. Wir beziehen uns hier “gezwungen“ermaßen auf zwei Geschlechter, auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass es nur zwei Geschlechter gibt.

  3. Daten aus Studierendenstatistik WS 2015/2016 unter http://www.uni-marburg.de/profil/statistik/studizahlen/statistik20152.pdf

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