Hilfskräfte-Vollversammlung vom 15.04.2019

Bei der Hilfskräfte-Vollversammlung am 14.05 2019 tauschte sich eine kleine, aber diverse Gruppe über den Arbeitsalltag als Hilfskraft und wichtige Themen rund um die Initiative aus. Vertreten waren Hilfskräfte aus der Uni-Verwaltung, aus dem Fachbereich 01 (Rechtswissenschaften), dem Fb03 (Gesellschaftswissenschaften und Philosophie), dem Fb05 (Evangelische Theologie), dem Fb09 (Germanistik und Kunstwissenschaften) und dem FB 17 (Biologie). Nach einer kurzen Vorstellungsrunde begannen wir mit einem wichtigen und aktuellen Thema für alle Hilfskräfte.

Anlässlich der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der hessischen Universitäten machten wir „SHK on Strike?!“ zum Thema und beantworteten in unserem kurzen Input-Vortrag Fragen wie:
– Wann darf ich streiken?
– Wer darf streiken?
– Muss ich mich zum Streik abmelden?
– Dürfen mir Vorgesetzte die Streik-Teilnahme verbieten?
– Darf ich Kolleg*innen zum Streik auffordern?
– Wie streike ich, wenn ich keine festen Arbeitszeiten habe?
– Muss ich Arbeitsaufgaben nachholen?
– Wie ist das mit Gehalt und Streikgeld?

Antworten auf diese Fragen können bei den F.A.Q. auf der Website unserer Initiative unter dem Punkt „Streik“ nachgelesen werden!

Nachdem alle Fragen zum Thema Streik geklärt waren, gingen wir alle zusammen zum betreuten Resolutionieren über. Das Wort wurde an die Runde gegeben und die anwesenden Hilfskräfte erzählten über ihre Erfahrungen im Arbeitsalltag und formulierten daraus Forderungen für die Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen:

Viele Hilfskräfte erledigen ihre Aufgaben aus der Universitätsbibliothek heraus, oft „zwischendurch“, zwischen Uniaufgaben und „wenn es eben passt“. Das sogt dafür, dass Hilfskräfte oft den Überblick darüber verlieren, wie viel Arbeitszeit sie im entsprechenden Monat gearbeitet haben.
Deshalb fordern wir: Büros für Hilfskräfte!

Falls aus diesem Grund oder aufgrund von hohem Arbeitsaufwand Überstunden gemacht wurden, werden diese nicht entlohnt. Keine Überstunden machen, obwohl noch Aufgaben erledigt werden müssen, ist oftmals auch keine Option – auch Angst vor Streit mit Vorgesetzen oder vor einem Jobverlust spielt hier eine Rolle.
Deshalb fordern wir: keine unbezahlten Überstunden mehr!

Apropos Streit mit Vorgesetzten: Viele studentische Hilfskräfte sind vom Wohlwollen und Verständnis ihrer Vorgesetzten abhängig. Halten sich die Chef*innen an die festgelegte Stundenzahl? Zeigen sie Verständnis, wenn man am Wochenende nicht auf Mails antwortet oder droht deshalb der Jobverlust? Oftmals sind Vorgesetzte von studentischen Hilfskräften gleichzeitig Professor*innen oder Dozent*innen der Studierenden und benoten deren Leistungen im universitären Rahmen, dies fügt eine weitere Ebene der Unsicherheit hinzu.
Deshalb fordern wir: Weg mit diesen Abhängigkeitsstrukturen!

Ein weiteres Problem, vor dem Hilfskräfte oftmals stehen: ein ständiger ‚Bereitschaftsdienst‘. Der Chef oder die Chefin schreiben kurzfristige E-Mails mit Aufgaben, die so schnell wie möglich erledigt werden müssen, oder dich erreicht ein Anruf, dass nächste Woche mehr Arbeit anfällt und Du unbedingt länger oder mehr arbeiten musst. Auch das Unterschreiben eines Arbeitsvertrags muss in vielen Fällen, ohne vorherige Ankündigung, innerhalb eines Tages stattfinden, damit der Job angetreten oder behalten werden kann. In diesen Fällen müssen andere Pläne, ob länger geplanter privater Urlaub oder das Lernen für eine wichtige Klausur, hinten angestellt oder gar abgesagt werden.
Hilfskräfte haben keinen Bereitschaftsdienst!
Deshalb fordern wir: Kernarbeitszeiten und mehr Planungssicherheit für Hilfskräfte!

Tarifaufgaben, die eigentlich von ausgebildetem Personal ausgeführt werden, werden häufig kurzfristig durch Hilfskräfte überbrückt, damit keine Arbeit liegen bleibt. Hilfskräfte sind nicht so gut qualifiziert wie ausgebildetes Personal, kosten die Universität allerdings auch weniger Geld. Dadurch kann eine Konkurrenz mit Fachpersonal entstehen, dass einen erschwerten Zugang zu den für sie vorgesehenen Stellen hat.
Deshalb fordern wir: Keine Überbrückung von Tarifaufgaben durch Hilfskräfte mehr!

Ungenaue oder gar keine Formulierungen bezüglich der Arbeitsaufgaben im Job führen nicht selten dazu, dass Hilfskräfte eine Vielzahl an verschiedenen Arbeitsaufgaben übernehmen müssen. Sich dagegen zu wehren ist schwer, denn es sind keine Richtlinien oder schriftlichen Vereinbarungen vorhanden. Gleichzeitig eine Regressionsanalyse erstellen, die neusten Bücher aus der Bib abholen, bei einer Tagung Häppchen und Sekt anbieten und einem neuen Dozenten/ einer neuen Dozentin die Uni zeigen – das alles kann von einer einzigen Hilfskraft verlangt werden.
Deshalb fordern wir: Eine klare Aufgabenbeschreibung im Arbeitsvertrag!

All diese Forderungen können jedoch nur dann umgesetzt werden, wenn wir Hilfskräfte gemeinsam mit unseren tarifbeschäftigten Kolleg*innen eine ordentlich gewählte Personalvertretung erhalten. Wir brauchen eine Personalvertretung für Hilfskräfte! Das Hessische Personalvertretungsgesetz muss geändert werden, damit studentische Beschäftigte endlich in den Personalrat inkludiert werden können!

Ein erster Schritt in diese Richtung ist das Etablieren von Ombuds- oder Vertrauenspersonen auf verschiedenen Ebenen. Im Hochschulrechenzentrum ist dies bereits gängige Praxis. Nun planen wir, auch in den einzelnen Fachbereichen, in der Universitätsbibliothek und in der Verwaltung Vertrauenspersonen zu etablieren. Mehr dazu erfahrt ihr in Kürze hier auf dem Blog.