Wir streik(t)en!


Foto: Tobias Hirsch/ OP

Es ist schon ein paar Wochen her, trotzdem wollen wir sie euch nicht vorenthalten: Hier kommt unsere Rede von der Streik-Demo am 26. März (und für die Lesefaulen unter euch als Audiodatei):

Audio

Liebe streikenden Kolleg*innen, liebe Unterstützer*innen, und … liebe streikenden Hilfskräfte: es fühlt sich gut an das zu sagen! Denn zum ersten Mal sind auch wir studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte mit zum Streik aufgerufen!
Im Juli 2018 arbeiteten „nur noch“ 107 wissenschaftliche Hilfskräfte an der Philipps-Universität. Das sind 107 Uni-Beschäftigte, die es laut aktuellem Hochschulgesetz eigentlich gar nicht mehr gibt. Wissenschaftliche Hilfskräfte erledigen dabei häufig die gleichen Aufgaben, wie ordentlich angestellte Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, also ihre Kolleg*innen mit Tarifvertrag. Dennoch werden sie viel schlechter bezahlt! Studentische Hilfskräfte gab es zum gleichen Zeitpunkt 1280. Die meisten davon, nämlich über 200, arbeiten in der Universitätsbibliothek oder im Hochschulrechenzentrum. Der Betrieb der Universität wird also in zentralen Bereichen eigentlich nur durch Hilfskräfte am Laufen gehalten.
Viele andere führen Tutorien oder Praktika durch, die für das Lernen an der Hochschule unerlässlich sind, oder unterstützen Lehre und Forschung direkt in den Instituten. Ohne uns läuft nichts an dieser Universität!

Dennoch wird unsere Arbeit als selbstverständlich hingenommen.
Es wird als selbstverständlich hingenommen, dass Lehr- und Lernmaterialien zu Semesterbeginn bereitstehen.
Es wird als selbstverständlich hingenommen, dass wir jederzeit erreichbar sind.
Es wird als selbstverständlich hingenommen, dass wir unser Studium oder die Arbeit an der Dissertation zurückstellen, um noch schnell eine Korrektur zu erstellen oder ein Buch einzuscannen oder eine wirklich wichtige Mail zu schreiben.
Denn schließlich sind wir ja nur Aushilfskräfte. Wie unsere Arbeit gewertet wird, schlägt sich darin nieder, dass wir im Haushalt der Uni den Sachmitteln zugerechnet werden – SACHMITTEL, also genauso wie Kopierpapier, Büroklammern und Kugelschreiber!

Hinzu kommt die Abhängigkeit gegenüber unseren direkten Vorgesetzten. Nicht selten entscheiden diese über unsere Noten oder unseren Studienabschluss, vielleicht sogar über unseren weiteren akademischen Werdegang. Aus Angst vor schlechterem Abschneiden erledigen viele Hilfskräfte stillschweigend Aufgaben, die eigentlich gar nicht in ihrem Arbeitsvertrag stehen. Diese Abhängigkeitsstrukturen machen es schwer, Konflikte und Schwierigkeiten vorzubringen und anzusprechen.

Aufgrund des Status als Student*in dürfen wir laut Hessischen Personalvertretungsgesetz noch nicht einmal vom Personalrat vertreten werden. Das erschwert die Mobilisierung und Vernetzung von Hilfskräften, einer der größten Beschäftigtengruppen der Hochschule.
Davon hat sich die Hilfskraftinitiative jedoch nicht aufhalten lassen – seit mittlerweile 10 Jahren kämpfen wir für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Hilfskräften!
Immer mehr Studierende können nicht von ihren Eltern finanziert werden. Gleichzeitig bekommen immer weniger Studierende BAföG. Immer mehr Studierende müssen sich ihr Studium durch Nebenjobs finanzieren! Keine leichte Aufgabe, wenn man zum Beispiel die stetig steigenden Mieten bedenkt.
Vor diesem Hintergrund klingt die Aussage von Innenminister Beuthen wie blanker Hohn. Seiner Meinung nach sind Hilfskraftstellen keine regulären Arbeitsstellen. Sie dienen lediglich der „Bildung der Persönlichkeit“! Bullshit!
Wir arbeiten nicht, um unsere Persönlichkeit zu entfalten!Wir arbeiten, um zu studieren!
Hessenweit gibt es nicht einmal einheitliche Löhne und Arbeitsbedingungen für Hilfskräfte. Sie sind vom Gutdünken der Universitätsleitung abhängig! Für die Lohnerhöhungen in Marburg hat die Hilfskraftinitiative Jahre lang gekämpft!

Wir verlangen, dass wir endlich als das gesehen werden, was wir sind: Als Arbeitskräfte, die den Betrieb am Laufen halten! Als Arbeitskräfte, deren Anliegen von einem Personalrat vertreten werden müssen! Als Studierende, die ihr Überleben sichern müssen! Als Menschen, die ein wenig Respekt verdienen!
Heute verlangen wir die Aufnahme in den Tarifvertrag!

Der Ausgang der Tarifverhandlungen verlief nicht nach unseren Vorstellungen. Die Aufnahme von uns Hilfskräften in den Tarifvertrag wurde vom Land Hessen strikt abgelehnt. Umso wichtiger am 1. Mai unsere Kämpfe und Forderungen lautstark auf die Straße zu tragen!